Kultur / Vermehrung
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vermehrung durch samen
vermehrung der venusfliegenfalle
kultur / gattungen
bei den jeweiligen kulturerfahrungen zu den gattungen und arten findet man auch hinweise zur vermehrung

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es gibt verschiedene möglichkeiten zur vermehrung von karnivoren wobei nicht bei allen species alles möglich ist. natürlich gibt es bei allen die möglichkeit der vermehrung durch samen (abgesehen von karnivoren moosen). bei einigen ist dies jedoch praktisch sehr schwierig. dies kann verschiedene gründe haben. heliamphoras z. b. setzen in kultur nur selten samen an. nepenthes sind zweihäusig, d. h. man benötigt gleichzeitig ein blühendes männchen und weibchen, um die weiblichen blüten zu bestäuben und samen zu gewinnen (nepenthes pollenvermittlung). samen von gewissen utricularias sollen nur einige stunden keimfähig sein! gewisse samen sind nur schwer zum keimen zu bringen, weil keimhemmende substanzen dies verhindern. dazu zählen die samen von B. gigantea, B. lamellata, B. filifolia,...


bild 1:
D. stolonifera Samen

bild 2:
samen von D. lusitanicum (gross), D. muscipula (mittel) und D. intermedia (klein)

bild 3:
noch eingepackte bluetenknospe von H. x midoxa

bei vielen sonnentauen, cephalotus, venusfliegenfalle und fettkräutern (auch bei anderen species) kann man blattstecklinge machen (bild 4). blätter können direkt auf das substrat oder in dest. wasser gelegt werden. die ausbeute mit dest. wasser soll besser sein, da im dest. wasser keine pilze, bakterien und algen wachsen können und so das blatt länger überlebt. ich hab nicht viel erfahrungen mit dieser methode.


bild 4:
D. binata Blattstecklinge

bild 5:
D. binata Wurzelsteckling

bild 6:
N. gracilis Sprosssteckling

einige sonnentaue kann man mit wurzelstecklingen vermehren (bild 5). wurzelstücke werden wenige cm unter die substratoberfläche gelegt. kannenpflanzen können über sprossstecklinge vermehrt werden (bild 6 und 7).

nur die zwergsonnentaue besitzen die fähigkeit sich über brutschuppen (kleine grüne umgewandelte blätter) zu vermehren und das ziemlich effektiv. die kleinen grünen schuppen, die man auf bild 8 sieht werden dazu auf das substrat ausgesäht wie samen.


bild 7:
N. ampullaria, die zwecks vermehrung geköpft wurde

bild 8:
D. ericksoniae x pulchella mit brutschuppen im wachstumszentrum

alle sarracenien, die venusfliegenfalle, fettkräuter, gewisse sonnentaue, der sonnenkrug, die kobralilie... haben die eigenschaft sich zu teilen oder ableger zu bilden. man kann sie also nach einer gewissen zeit trennen.

winterharte fettkräuter bilden im herbst eine knospe zur überwinterung. an diesen knospen kann man im frühling kleine adventivknospen ernten und aussähen.

knollendroseras bilden während dem australischen sommer knollen (bild 11). auch an diesen knollen bilden sich kleine tochterknollen, die man ernten kann (bild 9 und 10). auch u. menziesii bildet knollen, die man teilen kann.


bild 9:
D. peltata Knollenernte

bild 10:
D. peltata stolon mit den knollen und tochterknollen daran

bild 11:
D. whittakeri knolle

D. prolifera hat die eigenart kleine pflanzen zu bilden, wenn eine blüte den boden berührt. wenn es der pflanze gefällt, kann man sie so schnell vermehren.

zu guter letzt gibt es bei allen (nehme ich an) arten die möglichkeit der gewebekultur. diese ist jedoch nicht ganz trivial. die schwierigkeit besteht darin steril zu arbeiten und die pflanzen ex vitro zu bringen. wenn man sich ein wenig auf dem internet umsieht findet man gute texte zu diesem thema.
so ich glaube das waren jetzt so ungefähr alle. vielleicht hab ich auch was vergessen.

vermehrung durch samen

für die meisten karnivoren gilt, dass sie lichtkeimer sind. das bedeutet der samen keimt nur, wenn er nicht vom substrat bedeckt ist. wie überall gibt es auch hier ausnahmen (z. b. d. lusitanicum). desweiteren sollte man samen und sämlinge hell, aber nicht zu hell sprich an die direkte sonne stellen. wenn man bedenkt, dass jungpflanzen vielleicht von gras oder anderen pflanzen leicht geschützt sind macht das auch sinn. sonst kann man die gleichen oder ähnliche bedingungen wie bei den adulten pflanzen wählen, was ja auch logisch ist. meist wirkt sich eine hohe konstante temperatur (~25°C) positiv auf das keimverhalten aus. vor der aussaht ist bei einigen karnivoren jedoch eine behandlung notwendig. gewisse samen keimen besser oder sogar nur, wenn sie zuvor eine gewisse zeit kälte ausgesetzt waren. dies ist bei den schlauchpflanzen, bei der kobralilie und bei gewissen droseras der fall (vielleicht gibt es noch weitere).

gewisse karnivoren leben in gebieten wo es von natur aus regelmässig buschbrände gibt. bei einem solchen feuer sterben viele pflanzen und die karnivoren (vermutlich auch andere pflanzen) nutzen diese zeit um das terrain in beschlag zu nehmen. die samen dieser pflanzen keimen nur nach einem brand. zu diesen gehört b. gigantea. man glaubt, dass gewisse stoffe im rauch des feuers hemmstoffe im samenkorn abbauen und so den samen zum keimen bringen. samen von b. gigantea, b. lamellata und b. filifolia muss man vor der aussaht mit gibberelinsäure behandeln, damit die samen keimen.

der mensch verhindert in jüngster zeit diese brände. wenn dann trotzdem ein solcher brand ausbricht, dann hat das feuer eine solche gewalt, dass die vegetation grossflächig zu grunde geht (auch samen und gewisse unterirdische überdauerungsorgane). dies ist mitunter ein grund für die bedrohung gewisser karnivoren.

leicht über samen zu vermehren sind viele sonnentaue und fettkräuter wie z. b. d. aliciae, d. capensis, p. moranensis,... . schon ein bisschen schwieriger sind die schlauchpflanzen und die venusfliegenfalle.

ein problem bei der vermehrung über samen ist der schimmelpilz, der gerne die feuchte substratoberfläche und junge pflanzen befällt. dieses problem besteht besonders bei der aufzucht im terrarium. die stehende luft und die konstant hohe luftfeuchtigkeit kombiniert mit eher wenig licht begünstigen das wachstum von pilzen. was man dagegen unternehmen kann? man kann mit fungiziden arbeiten (vorbeugen ist besser als bekämpfen). man sollte auf eine gute luftzirkulation achten und ein möglichst intensives kunstlicht wählen. ausserdem kann man die luftfeuchtigkeit sobald die samen gekeimt sind senken.

ich sähe meine samen meist ende winter aus. die pflanzen keimen dann noch drinnen. im frühling stelle ich die sämlinge dann nach draussen. zuerst muss man sie noch ein wenig vor der starken sonne schützen. das mache ich bei den sarracenien, der venusfliegenfalle, den temperierten sonnentauen und der d. lusitanicum so.

eine hervorragende seite mit vielen fotos von samen findet man bei utricularia.net.

vermehrung der venusfliegenfalle

d. muscipula "red"
die zwei üblichsten methoden der vermehrung bei der venusfliegenfalle sind über samen oder durch teilung bzw. blattstecklinge (ist nicht ganz das gleiche wird aber gleich gemacht). komerziell wird sie jedoch zum grössten teil über gewebekultur vermehrt und dann mit hormonen sehr schnell hochgepäppelt (das mit den hormonen stimmt höchstwahrscheinlich nicht bei spezial karnivoren anbietern).
blütenstengel
ich hab mir mal in meinen anfängen in einer normalen gärtnerei eine venusfliegenfalle gekauft und sie ziemlich artgerecht gehalten. sie wollte den ganzen sommer nicht recht wachsen und ende jahr dachte ich sie wäre gestorben. ich hielt sie dennoch über winter wie man es sollte und siehe da. im frühling erwachte sie wieder zu neuem leben jedoch nur noch etwa einen viertel so gross :-o.
die venusfliegenfalle blüht ungefähr ende april, wenn sie in unseren breiten draussen gehalten wird. aus dem wachstumspunkt spriesst ein stengel, der sehr schnell wächst. die endgültige länge kann bis zu 40 cm betragen. potenzielle bestäuber werden so eher nicht getötet. pro stengel hat es mehrere weisse blüten. sie sind nicht besonders attraktiv und die pflanze wird von der blüte unter umständen geschwächt. man kann sich also überlegen einen blütenstengel am anfang gleich abzuschneiden wenn man nicht auf samen aus ist. allerdings kommt es dann schon mal vor dass die venusfliegenfalle stur bleibt und nochmals einen blütenstengel hervorbringt. dann kann man sich fragen was die pflanze jetzt mehr geschwächt hätte. einen stengel mit blüten zu produzieren oder zwei stengel. ich bin der meinung, es beeinflusst die pflanze nicht besonders, wenn diese einigermassen gesund und kräftig ist.
die reifen schwarzen samen
ich hab die erfahrung gemacht, dass in terrarienkultur nur ungern samen angesetzt werden. das mag jedoch unter guten lichtbedingungen kein problem sein. ich halte meine jedoch im sommer lieber draussen, weil sie dann bei mir einfach kräftiger und schöner aussehen und auch besser samen ansetzen. die blüten sind nicht kleistogam (bedeutet: sie bestäuben sich selber beim schliessen der blüte, wenn sie nicht mit fremdem pollen in berührung kommen.).
samen von d. lusitanicum (gross), d. muscipula (mittel) und d. intermedia (klein)
sie sind aber wahrscheinlich selbstfertil (bedeutet: der mensch kann pollen der blüte nehmen, ihn auf die narbe bringen und es entstehen samen). besser ist es, pollen einer anderen blüte des selben stengels zu nehmen und am aller besten ist es, pollen einer blüte einer anderen pflanze zu nehmen. ich hoffe das war jetzt nicht zu konfus.
nach ungefähr einem monat sind die samen reif. am besten keimen sie, wenn sie ganz frisch sind. ein paar wochen nach der ernte hatte ich die besten keimraten. übrigens samen lagert man am besten trocken, kühl und dunkel. die aussaht erfolgt
sämling

am besten auf dem selben substrat, wie sich die eltern auch wohl fühlen. die beste zeit der aussaht ist wohl irgendwann im winter. einerseits sind die samen dann noch mehr oder weniger frisch, andererseits habe ich bemerkt, dass die pflanzen einen richtigen wachstumschub haben, wenn man sie im frühling an die sonne rausstellt. das hat jedoch auch seine schwierigkeiten. es ist nämlich nicht ganz einfach die jungpflanzen durch den winter zu bringen. sie fallen nämlich




gern dem schimmel zum opfer. starkes kunstlicht oder sonnenlicht ist erforderlich. auch ist im winter die luftfeuchtigkeit im haus zu niedrig (bei mir im winter bei ~35-40% und im sommer bei ca. 50%). das heisst man muss die pflanzen in ein terrarium oder ähnlich stellen. hier besteht jedoch die gefahr zu hoher luftfeuchtigkeit und stehender luft.
meine jungpflanzen waren in einem raum bei ca. 5-15°C in einem ganz offenen terrarium unter einer nahd-lampe. bei diesen temperaturen stellen sie das wachstum fast vollständig ein.
im frühling kommen sie auf den balkon. zuerst ein wenig geschützt und dann wie die adulten pflanzen in die volle sonne. hat die pflanzen dann einmal so weit kann man sie wie die alten pflanzen behandeln. nach einigen jahren sind die pflanzen blühreif.

eine zweite möglichkeit der vermehrung ist über blattstecklinge. dazu sollte man eine kräftige pflanze besitzen. die beste zeit ist wohl der frühling oder sommer. man topft die pflanze aus und trennt ein blatt ganz tief unten ab. so, dass möglichst viel von dem "weissen zeugs" mitkommt. die bruchstelle kann eventuell mit aktivkohle behandelt werden um vor einem befall mit pilzen zu schützen. dann steckt man das blatt in das gleiche substrat wie die adulte pflanze und hält es unter den gleich bedingungen. alternativ kann man das blatt auch in dest. wasser legen und erst eintopfen, nachdem die kleinen pflanzen am blatt entstanden sind.


diese art der vermehrung ist wohl die einfachere. die neu entstandene pflanze wächst verglichen mit sämlingen viel schneller. will man jedoch eine grosse zahl an pflanzen züchten oder die genetische vielfalt der pflanzen erhalten oder gar selbst eine spezielle art züchten dann muss man die pflanzen über samen vermehren.

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